Mittwoch, 26. November 2014

Auch Könige Fallen.. - Kapitel IV -

-IV-
 

Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht...

Mephistopheles / Faust I


Die Karussell fahrt der Emotionen hatte seinen absoluten Höhepunkt erreicht, tiefer schmerzlicher Trauer schlich sich leise, unauffällig davon und machte platz für den blanken, kalten und emotionslosen Hass. Hass gebaut auf Intelligenz und reinem Kalkül, keine pussy Emotionen oder Gefühlsduselei, die eine Scheinwelt illustrieren, einzig nur kristallklare, eiskalte, berechnende Logik.
Ich wusste, dass ich dazu fähig war, schließlich konnte ich mich genau daran erinnern wie mein eigen rational kühler Ego mich einst selber umbringen wollte. Ich persönlich mochte diese Seite nicht an mir, und hielt ihn daher in den tiefsten und dunkelsten Winkel meines Verstandes gefangen.
Ich hatte mich schon des öfteren gefragt ob diese Seite meines Ichs, die Seite war, die seit Anbeginn der Zeit für Luzifer kreiert worden war. Codiert in den Genen meiner beider Eltern einzig darauf wartend die spirituelle Verschlüsselung zu vereinen um die destruktive Saat zur Reife zu bringen, damit Luzifer, der die Menschheit abgrundtief hasste sich in seinem irdischen Dasein wohl fühlen konnte. Sich geborgen fühlen konnte in den Körper von mir... Sam Winchester...Luzifers Auserwählten.

Den geschrieben Zettel noch in der Hand haltend, überlegte ich was ich von diesen kryptischen Zeilen halten sollte. Denn der Inhalt entbehrte jede Logik, ...Sam, lass mich gehen..., ja wohin? Wohin genau sollte ich ihn gehen lassen? Scheiße, ich wusste ja nicht mal was mein Bruder eigentlich war...ein Zombie, ein Wrath, eine leere Dean Hülle, war er überhaupt noch Tod? Mit Seele, ohne Seele, oder ja Tod, aber eigentlich nicht Tod...nur ein bisschen Tod...vorübergehend außer Betrieb Tod.

Verdammt nochmal Dean WAS!

Mein rationaler Verstand begriff nicht was Dean mit dieser aussage bezwecken wollte. Es gab zu viele Optionen und zu wenig hinweise um zu begreifen was Dean tatsächlich wollte. Beziehungsweise wusste Dean überhaupt was er wollte? Es könnte ja auch sein, dass die Notiz auf dem Zettel von Dean zwar geschrieben worden war aber das bedeutete nicht zwangsläufig, dass es auch von Dean persönlich stammte. Zu viele wenn's und aber's...nur keine Antworten...

Einen Augenblick verharrte ich noch im Raum, schaute mich um, visierte jeden einzelnen Zentimeter und registrierte, dass gravierende Veränderung in dem Zimmer nicht ersichtlich waren. Hier war nichts weiter zu holen außer erdrückende Erinnerungen, die ich lieber um meines Verstandes willen vergessen wollte. Unnötiger Ballast, der mich in die morbide Tiefe reißen würde...
Präzise legte ich den Zettel dahin, von wo ich ihn aus gefunden hatte. Der Zettel hatte nun seinen nutzen verloren, jeder Buchstabe, jeder Strich des Inhalts hatte sich in meiner verkümmerten, trauernden Seele eingebrannt, eine weitere Narbe des Schmerzes hinterlassend. Tief vergraben, an einem Ort den nur der Tod persönlich kannte.

Mechanisch schloss ich die Tür, hinter mich lassend ein Mausoleum ohne Toten, jedoch ein Raum voller toter Erinnerungen.
Tot war mein ständiger Begleiter, was sagte einst Luzifer in der Illusion von Jess zu mir „Vom ersten Moment als wir uns sahen, war ich schon Tod
Ja der Tod mochte mich sehr.

Da Crowley der Ursprung des ganzen war, er aber den regeln nicht gehorchend zu mir kam, trotz des Bindenden Zauberspruches, gab es nur eine offenkundige Lösung. Ich musste einen weg finden um zu Crowley zu gelangen.
Dämonen zu finden wie manche glaubten war nicht so schwer, theoretisch jeder der sich außerhalb der moralischen Grenzen bewegt lädt ohne es zu wissen die Dämonen zu sich ins Haus.
Mit ihrer Tat gaben sie ihr Einverständnis, späteres Leugnen ist zwecklos. Und da die Moral jeden Tag an Bedeutung verlor, stieg die Zahl der von Dämonen Besessenen. Kein wunder war der Vatikan beunruhigt über die wachsende Zahl der Exorzismen...
Da aber nur eine eingeweihte Minderheit von der Tatsächlichen Existenz dieser Wesen wusste, würden die Abnormalitäten in den Wartezimmer der Fachärzte immer steigen, nur eine Heilung wird nicht greifbar sein, einzig neue Namen werden erfunden um von einem Phänomen abzulenken, dass so alt ist wie die Menschheit selbst.

Der Weg ist das Ziel, so abgedroschen dieser Spruch auch sein mochte, für mich traf es genau zu, wenn Crowley in der Lage war die universalen Gesetze zu beugen, dann dürfte es der Logik nach auch für mich gelten. Die Frage war, nur wie? Wie konnte ich die Dimensionen verändern um als lebender zwischen den Welten zu Wandern ohne dabei zu schaden zu kommen und womöglich andere unschuldige mit hineinzuziehen.
Erst jetzt bemerkte ich den sauren Nachgeschmack meines Erbrochenen gemischt mit den salzigen Tränen im Mund, statt ekel zu spüren analysierte mein Verstand die ungewöhnlichen Mixtur mit der kühlen Feststellung...so muss wohl Trostlosigkeit schmecken.
Anstelle in die Bibliothek zu gehen entschied ich mich doch zuvor die Küche aufzusuchen, ich brauchte was adäquates zum Spülen, von Alkohol hatte ich erst mal genug, momentan war ein klarer Verstand von Nöten,... vergessen konnte ich ein anderes mal, nur heute nicht,...nicht jetzt,... nicht heute.

Ausgestattet mit einer Flasche Wasser, begab ich mich in die Haupthalle des Bunkers, die Notbeleuchtung des Raumes spiegelte meine Verfassung, mehr Dunkelheit als Licht, Nischen im Verborgenen gehalten, nur das nötige erleuchtet um den Schein von Helligkeit zu bewahren.
Auf dem Tisch lagen die verschieden Handys, mein Laptop und um mich herum das heimlich gesammelte Wissen der Men of Letters.
Meine Entscheidung war gefallen, mir fehlte es nur an Wissen, wie wir bisher verfuhren brachte uns nicht weiter, im Gegenteil, das fehlende Wissen betrübte unsere Entscheidung die dann letzten Endes zum Ausgleich mit Emotionen entschieden wurden. Und was hatten wir dadurch erreicht...außer den Tod zu meinen Freund zu machen...absolut NICHTS!

Rein der Logik folgend musste ich erst herausfinden was genau Dämonen sind, wir jagten zwar diese abartigen Wesen, jedoch was sie genau waren blieb mir ein Rätsel. Das Wissen was ich bisher meinte zu beherrschen schien ungenügend zu sein, ja sie zu töten schien nicht die Herausforderung zu sein, nur...waren diese Wesen auch dann tatsächlich tot und nur die Menschliche Hülle hinüber oder war das Wesen vorläufig einfach vorübergehend im Exil...wartend auf eine neue irdische Behausung? Wenn dem so wäre....dann sind diese Entitäten an einem festem Ort gebunden, folglich wenn die rein und raus können, dann gäbe es ein Portal...blöd natürlich überall gab es Höllentore. Scheiße wir hatten ja damals sogar eins aufgemacht...OK, gebe zu keine Glanzleistung, aber immerhin eine Öffnung....jetzt bräuchte ich nur ein niederen Dämon der mir sagt wo diese Portale sind.
Tja Crowley du bleibst was du bist, nichts anderes als ein mickriger Dämon...und dabei gibt er sich solche Mühe mir aus dem weg zu gehen... Wenn du nicht zu mir kommst, komme ich zu dir. So einfach ist das und dank dem Clavicula Salomonis Regis, dem kleinen Buch Salomons sollte es kein Problem sein mir ein Ticket in die Unterwelt zu besorgen.
Zufrieden mit meiner Theorie lehnte ich mich im Stuhl zurück. Darüber was dann passieren könnte, wenn ich die andere Dimension betrete, machte ich mir kein Kopfzerbrechen, auch wenn Luzifer noch eingesperrt war, war ich dennoch seine irdische Hülle, ich war Sakrosankt, unberührbar kein Dämon würde es wagen mich endgültig zu töten,...verletzten ja...aber töten gewiss nicht.
...aber töten gewiss nicht echote es noch dumpf hinterher, dachte sich Dean wahrscheinlich auch schoss es noch durch meinen Kopf. Die Tragischen Ereignisse der letzten Stunden, konnte ich auch wenn ich wollte nicht gänzlich von mir abschütteln. Alles hier im Bunker erinnerte einfach an ihn, in der Küche lagen noch die Pie Reste, am gegenüberliegenden Tisch stand noch seine angebrochene Flasche Bourbon nebst irgendwelchen Schriften über Abbadon, ein paar Busty Asians...daher von vergessen kann keine Rede sein. Überall ist er präsent...

Ob ich wieder ins Motel ziehen sollte? Während ich noch am überlegen war ob ich meine Sachen Packen sollte oder nicht, summte eines der Handys am Tisch. Zögernd nahm ich das Gerät, sollte ich abnehmen? War ich überhaupt ansprechbar, wollte ich überhaupt mit jemanden reden? Hatte es sich etwa schon herum gesprochen? Und wenn es Dean ist?
Hastig drückte ich auf den Empfang und vergewisserte mich wer auf der anderen Leitung war.

„Hallo?“
Erschrocken über meine eigene krächzenden Stimme hoffte ich, dass ich den Gegenüber nicht gänzlich verschreckt habe.
Hallo, wer ist dran?“

„Sam? Bist du es?“
Es war Castiel, was sollte ich ihm sagen? Was konnte ich ihm sagen? Wollte ich überhaupt was sagen?


To be continued...

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