-IV-
Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht...
Mephistopheles / Faust I
Die Karussell fahrt der Emotionen hatte
seinen absoluten Höhepunkt erreicht, tiefer schmerzlicher Trauer
schlich sich leise, unauffällig davon und machte platz für den
blanken, kalten und emotionslosen Hass. Hass gebaut auf Intelligenz
und reinem Kalkül, keine pussy Emotionen oder Gefühlsduselei, die
eine Scheinwelt illustrieren, einzig nur kristallklare, eiskalte,
berechnende Logik.
Ich wusste, dass ich dazu fähig war,
schließlich konnte ich mich genau daran erinnern wie mein eigen
rational kühler Ego mich einst selber umbringen wollte. Ich
persönlich mochte diese Seite nicht an mir, und hielt ihn daher in
den tiefsten und dunkelsten Winkel meines Verstandes gefangen.
Ich hatte mich schon des öfteren
gefragt ob diese Seite meines Ichs, die Seite war, die seit Anbeginn
der Zeit für Luzifer kreiert worden war. Codiert in den Genen meiner
beider Eltern einzig darauf wartend die spirituelle Verschlüsselung
zu vereinen um die destruktive Saat zur Reife zu bringen, damit
Luzifer, der die Menschheit abgrundtief hasste sich in seinem
irdischen Dasein wohl fühlen konnte. Sich geborgen fühlen konnte in
den Körper von mir... Sam Winchester...Luzifers Auserwählten.
Den geschrieben Zettel noch in der Hand
haltend, überlegte ich was ich von diesen kryptischen Zeilen halten
sollte. Denn der Inhalt entbehrte jede Logik, ...Sam, lass
mich gehen..., ja wohin? Wohin genau sollte ich ihn gehen lassen?
Scheiße, ich wusste ja nicht mal was mein Bruder eigentlich
war...ein Zombie, ein Wrath, eine leere Dean Hülle, war er überhaupt
noch Tod? Mit Seele, ohne Seele, oder ja Tod, aber eigentlich nicht
Tod...nur ein bisschen Tod...vorübergehend außer Betrieb Tod.
„Verdammt nochmal Dean WAS!“
Mein rationaler Verstand begriff nicht
was Dean mit dieser aussage bezwecken wollte. Es gab zu viele
Optionen und zu wenig hinweise um zu begreifen was Dean tatsächlich
wollte. Beziehungsweise wusste Dean überhaupt was er wollte? Es
könnte ja auch sein, dass die Notiz auf dem Zettel von Dean zwar
geschrieben worden war aber das bedeutete nicht zwangsläufig, dass
es auch von Dean persönlich stammte. Zu viele wenn's und
aber's...nur keine Antworten...
Einen Augenblick verharrte ich noch im
Raum, schaute mich um, visierte jeden einzelnen Zentimeter und
registrierte, dass gravierende Veränderung in dem Zimmer nicht
ersichtlich waren. Hier war nichts weiter zu holen außer erdrückende
Erinnerungen, die ich lieber um meines Verstandes willen vergessen
wollte. Unnötiger Ballast, der mich in die morbide Tiefe reißen
würde...
Präzise legte ich den Zettel dahin,
von wo ich ihn aus gefunden hatte. Der Zettel hatte nun seinen nutzen
verloren, jeder Buchstabe, jeder Strich des Inhalts hatte sich in
meiner verkümmerten, trauernden Seele eingebrannt, eine weitere
Narbe des Schmerzes hinterlassend. Tief vergraben, an einem Ort den
nur der Tod persönlich kannte.
Mechanisch schloss ich die Tür, hinter
mich lassend ein Mausoleum ohne Toten, jedoch ein Raum voller toter
Erinnerungen.
Tot war mein ständiger Begleiter, was
sagte einst Luzifer in der Illusion von Jess zu mir „Vom ersten
Moment als wir uns sahen, war ich schon Tod“
Ja der Tod mochte mich sehr.
Da Crowley der Ursprung des ganzen war,
er aber den regeln nicht gehorchend zu mir kam, trotz des Bindenden
Zauberspruches, gab es nur eine offenkundige Lösung. Ich musste
einen weg finden um zu Crowley zu gelangen.
Dämonen zu finden wie manche glaubten
war nicht so schwer, theoretisch jeder der sich außerhalb der
moralischen Grenzen bewegt lädt ohne es zu wissen die Dämonen zu
sich ins Haus.
Mit ihrer Tat gaben sie ihr
Einverständnis, späteres Leugnen ist zwecklos. Und da die Moral
jeden Tag an Bedeutung verlor, stieg die Zahl der von Dämonen
Besessenen. Kein wunder war der Vatikan beunruhigt über die
wachsende Zahl der Exorzismen...
Da aber nur eine eingeweihte Minderheit
von der Tatsächlichen Existenz dieser Wesen wusste, würden die
Abnormalitäten in den Wartezimmer der Fachärzte immer steigen, nur
eine Heilung wird nicht greifbar sein, einzig neue Namen werden
erfunden um von einem Phänomen abzulenken, dass so alt ist wie die
Menschheit selbst.
Der Weg ist das Ziel, so abgedroschen
dieser Spruch auch sein mochte, für mich traf es genau zu, wenn
Crowley in der Lage war die universalen Gesetze zu beugen, dann
dürfte es der Logik nach auch für mich gelten. Die Frage war, nur
wie? Wie konnte ich die Dimensionen verändern um als lebender
zwischen den Welten zu Wandern ohne dabei zu schaden zu kommen und
womöglich andere unschuldige mit hineinzuziehen.
Erst jetzt bemerkte ich den sauren
Nachgeschmack meines Erbrochenen gemischt mit den salzigen Tränen im
Mund, statt ekel zu spüren analysierte mein Verstand die
ungewöhnlichen Mixtur mit der kühlen Feststellung...so muss wohl
Trostlosigkeit schmecken.
Anstelle in die Bibliothek zu gehen
entschied ich mich doch zuvor die Küche aufzusuchen, ich brauchte
was adäquates zum Spülen, von Alkohol hatte ich erst mal genug,
momentan war ein klarer Verstand von Nöten,... vergessen konnte ich
ein anderes mal, nur heute nicht,...nicht jetzt,... nicht heute.
Ausgestattet mit einer Flasche Wasser,
begab ich mich in die Haupthalle des Bunkers, die Notbeleuchtung des
Raumes spiegelte meine Verfassung, mehr Dunkelheit als Licht, Nischen
im Verborgenen gehalten, nur das nötige erleuchtet um den Schein von
Helligkeit zu bewahren.
Auf dem Tisch lagen die verschieden
Handys, mein Laptop und um mich herum das heimlich gesammelte Wissen
der Men of Letters.
Meine Entscheidung war gefallen, mir
fehlte es nur an Wissen, wie wir bisher verfuhren brachte uns nicht
weiter, im Gegenteil, das fehlende Wissen betrübte unsere
Entscheidung die dann letzten Endes zum Ausgleich mit Emotionen
entschieden wurden. Und was hatten wir dadurch erreicht...außer den
Tod zu meinen Freund zu machen...absolut NICHTS!
Rein der Logik folgend musste ich erst
herausfinden was genau Dämonen sind, wir jagten zwar diese abartigen
Wesen, jedoch was sie genau waren blieb mir ein Rätsel. Das Wissen
was ich bisher meinte zu beherrschen schien ungenügend zu sein, ja
sie zu töten schien nicht die Herausforderung zu sein, nur...waren
diese Wesen auch dann tatsächlich tot und nur die Menschliche Hülle
hinüber oder war das Wesen vorläufig einfach vorübergehend im
Exil...wartend auf eine neue irdische Behausung? Wenn dem so
wäre....dann sind diese Entitäten an einem festem Ort gebunden,
folglich wenn die rein und raus können, dann gäbe es ein
Portal...blöd natürlich überall gab es Höllentore. Scheiße wir
hatten ja damals sogar eins aufgemacht...OK, gebe zu keine
Glanzleistung, aber immerhin eine Öffnung....jetzt bräuchte ich nur
ein niederen Dämon der mir sagt wo diese Portale sind.
Tja Crowley du bleibst was du bist,
nichts anderes als ein mickriger Dämon...und dabei gibt er sich
solche Mühe mir aus dem weg zu gehen... Wenn du nicht zu mir kommst,
komme ich zu dir. So einfach ist das und dank dem Clavicula
Salomonis Regis, dem
kleinen Buch Salomons sollte es kein Problem sein mir ein Ticket in
die Unterwelt zu besorgen.
Zufrieden mit meiner Theorie lehnte ich
mich im Stuhl zurück. Darüber was dann passieren könnte, wenn ich
die andere Dimension betrete, machte ich mir kein Kopfzerbrechen,
auch wenn Luzifer noch eingesperrt war, war ich dennoch seine
irdische Hülle, ich war Sakrosankt, unberührbar kein Dämon würde
es wagen mich endgültig zu töten,...verletzten ja...aber töten
gewiss nicht.
...aber töten gewiss nicht echote
es noch dumpf hinterher, dachte sich Dean wahrscheinlich auch schoss
es noch durch meinen Kopf. Die Tragischen Ereignisse der
letzten Stunden, konnte ich auch wenn ich wollte nicht gänzlich von
mir abschütteln. Alles hier im Bunker erinnerte einfach an ihn, in
der Küche lagen noch die Pie Reste, am gegenüberliegenden Tisch
stand noch seine angebrochene Flasche Bourbon nebst irgendwelchen
Schriften über Abbadon, ein paar Busty Asians...daher von vergessen
kann keine Rede sein. Überall ist er präsent...
Ob ich wieder ins Motel ziehen sollte?
Während ich noch am überlegen war ob ich meine Sachen Packen sollte
oder nicht, summte eines der Handys am Tisch. Zögernd nahm ich das
Gerät, sollte ich abnehmen? War ich überhaupt ansprechbar, wollte
ich überhaupt mit jemanden reden? Hatte es sich etwa schon herum
gesprochen? Und wenn es Dean ist?
Hastig drückte ich auf den Empfang und
vergewisserte mich wer auf der anderen Leitung war.
„Hallo?“
Erschrocken über meine eigene
krächzenden Stimme hoffte ich, dass ich den Gegenüber nicht
gänzlich verschreckt habe.
„Hallo, wer ist dran?“
„Sam? Bist du es?“
Es war Castiel, was sollte ich ihm
sagen? Was konnte ich ihm sagen? Wollte ich überhaupt was sagen?
To be continued...
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