Mittwoch, 26. November 2014

Auch Könige fallen.. - Kapitel I -

 

 -I- 

 Das  älteste und stärkste Gefühl ist Angst, die älteste und stärkste Form der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten.

H. P. Lovecraft


Rückblende ca. 4 Monate zuvor, nächtens auf einem Parkplatz vor einem verlassen Fabrikgelände.

Benommen nach dem Faust schlag von Dean erwachte ich liegend auf dem feuchten Boden vor dem Auto, allmählich wich die Taubheit im Kopf und ich versuchte krampfhaft die Orientierung wieder zu erlangen, die Dunkelheit die mich umgab half nicht sonderlich licht ins geschehen zu bringen aber nach einigen Sekunden, die mir wie Stunden vorkamen realisierte ich dass Dean ohne meine Rückendeckung einzig mit dem 'First Blade' bewaffnet Richtung Fabrik direkt in die Höhle des Löwen zu Metatron gegangen war.
Dieser Narr was hatte er sich dabei gedacht...

Fluchend stand ich auf überprüfte meine Pistole und rannte ohne zu zögern Richtung dem verlassenen Fabrik Gelände entgegen. Mehr Bewaffnung war nicht von Nöten, mir war bewusst, dass die Pistole gegen dem möchte gern Gott nichts ausrichten würde, jedoch gegen seine irdischen Helfern hätte die Pistole durchaus Überzeugung kraft.
Meine einzige Sorge galt meinen Bruder. Ich rannte blind, voller Ängste was mich erwarten würde Richtung dem einzigen Gelände in dieser verlassen Gegend, hoffend nicht zu spät zu kommen.

Nicht ahnend was mich hinter der Fabrikmauer erwarten würde, blieb ich kurz schwer atmend stehen und blickte hoch, mir stockte der Atem bei dem Anblick was sich mir auf dem Gelände darbot. Eine Szenerie, die aus einem Endzeit Film hätte stammen können.
Allmählich füllten sich meine Lungen mit Luft, ich spürte noch die Auswirkungen der Trials, und eine leichte schwärze drohte mich zu befallen, ich beugte mich kurz um meine Nerven etwas zu beruhigen, und atmete langsam ein und aus. Erleichtert, dass meine Anwesenheit noch nicht aufgefallen war schaute ich kurz um mich herum.
Der Anblick gab mir nicht das sichere Gefühl, dass es leicht sein würde einfach zur Eingangstür zu gelangen. Warum einfach wenn es auch kompliziert geht.
Unmengen von obskuren Gestalten, verhüllt mit dem obsoleten Abfall der Gesellschaft, lungerten in einer gespannten Erwartungshaltung im Hof herum. Brennende metallene Mülleimer sorgten für eine gespenstische Beleuchtung im Hof und das leise Stimmengewirr der anwesenden ähnelte den Mantragesang buddhistischer Mönche beim Gebet.
Metratron hatte sich die Hoffnungslosesten der Gesellschaft für sein perfides Spiel auserwählt, die die nichts zu verlieren haben sind die mit den größten Hoffnungen, aber auch die die am eifrigsten und bedingungslos jeder versprochenen Hoffnung hinter her lechzen.

Ich hätte genauso gut eine Grube voller Giftschlagen betreten können. Jeder unachtsamer Schritt käme dem Tode gleich. Vorsichtig, langsam, keine hastigen Bewegungen verursachend versuchte ich mich durch die schiere Menge von Metatron Anhänger zu drängen. Meine Körpergröße machte es mir nicht einfach, daher versuchte ich mich so klein zu machen wie es nur ging ohne meine Schritte zu behindern. Meine müden Muskeln waren nicht begeistert von dieser Übung und so wankte ich, die schmerzen ignorierend, zwischen der Menge.
Doch kurz vorm erreichen des Gebäudeeinganges verließ mich mein Glück, und eine der zerlumpten Gestalten schaute nur kurz von den hypnotisierenden Feuer hoch und erblickte mich, unsere Augen kreuzten sich, ich versuchte mit einer beschwichtigten Handbewegung sie davon abzuhalten die anderen in ihrer Gruppe zu warnen.
Vergebens, ich seufzte als sie voller Hass und Wut einer Sirene gleich, los schrie und mit den Finger auf mich Zeigte.
Augenblicklich war ich umzingelt von der dunklen hasserfüllten Menschenmasse.

„DA! Einer der Verräter! Er will unseren Messias TÖTEN!
TÖTET DEN VERRÄTER! SCHÜTZT METATRON! Tötet ihn!“

Schrie sie einer besessenen gleich, der Hass der sich in ihrem Gesicht abzeichnete verzerrte ihre schon durch die Jahre der Entbehrungen Menschlichen Züge, zu einer dämonischen Fratze.
Die Masse reagierte sofort, alle schauten auf und drehten sich zu mir um, hunderte von funkelten Augen fokussierten mich, wartend auf eine einzige unbedachten Bewegung meinerseits. Die Menge bewaffnet mit handlichen umgebauten Rohren und Holzlatten schlug Stakkato artig mit ihren primitiven Schlagwaffen auf ihre Händen und erzeugten in rhythmischen abständen ein durch Mark und Bein klatschendes Geräusch.
Das eklige klatschen wurde immer lauter und schneller, der Abstand verringerte sich von Sekunde zu Sekunde. Meine Chancen hier lebendig raus zukommen waren gleich null,...was tun, was tun...leichte Panik bereitete sich in mir aus, verdammt ich habe keine Zeit für solch eine Scheiße!
Masse hin oder her, letzten Endes war diese bedrohliche Menge nur ein Haufen Menschen, folglich zog ich meine Pistole und schoss kurz in die Luft. Der Lärm des Schusses erfüllte den ganzen Hof und brachte die Hass erfüllte Masse kurz zum Stillstand. Augenblicklich nutzte ich die Situation und richtete mich zu meiner vollen Größe auf und brüllte mit gleich Hass erfüllter Stimme.

„METRATRON? WO ist ER? WO IST MEIN BRUDER?!“

Meine Satzwahl lies zu wünschen übrig aber zu mehr war ich in diesem Moment nicht fähig, mir rannte einfach die Zeit davon.
Wie erhofft stockte die Menge augenblicklich, wahrscheinlich eher aus Verwunderung. Mir blieb nicht viel Zeit um anthroposophische Studien zu betreiben, daher nahm ich meine Pistole und bedrohte jeden der mir zu nahe kam.
Verdammt Dean, in was für eine scheiße hast du dich gebracht!
Die bleierne Stille nach dem Schuss im Hof machte die Situation auch nicht leichter, als plötzlich die Menge sich schweigend teilte und mir den Weg zur Tür freimachte, ohne zurück zu blicken rannte ich Richtung der Tür.

Auf Deckung zu achten war ein Luxus auf den ich jetzt verzichten musste, blind nicht ahnend was mich dahinter erwarten würde riss ich in eile die schwere Fabrik Tür auf.
Völlige Dunkelheit empfing mich einzig durchbrochen von den rötlichen Schein der Sicherheitslampen. Von Menschen keine Spur, langsam jede Nische im blick rannte ich Richtung der Fabrikhalle.
Meine Gedanken kreisten voller Panik im Kopf herum, was ist wenn ich zu spät komme, was ist wenn die nicht mehr da sind. Noch so'n Jahr wie nach dem Purgatory konnte ich mir nicht erlauben.
Scheiße Dean, wo steckst du?!
Die Pistole entsichert im Anschlag rannte ich in die Halle....LEER!
Völlige leere, die Halle einzig mit staubigen verstreuten Resten gefüllt, eher Industrie Müll, sicherlich wenn man genauer hinsah würden diese Relikte von einer glanzvolleren Zeit berichten, nur jetzt leer weit und breit kein Mensch, nicht mal Fußspuren waren ersichtlich.
Die mir vertraute Panik schien wieder hoch zukommen, das Gelände ist riesig, wo konnte mein Bruder sein.
Verdammt, verdammt, verdammt! Wo sind die?

Das klopfen meines Herze schien mir die Ohren zu zerreißen, die Lungen schmerzten und meine Hände zitterten. Atme!
Jeder Zentimeter meines Körpers schrie förmlich nach Luft. Atme!
Ich musste mich zwingen zu konzentrieren, irgend ein Hinweis muss es doch geben. Atme! Allmählich beruhigte sich mein Körper und ich hörte zwar leise, Stimmen. Die Richtung schien aus dem Keller zu kommen.
Vorsichtig, angespannt lauschend folgte ich den Geräuschen, mit jeden Schritt der mich den Keller näher brachte wurden die Stimmen lauter, deutlich konnte man jetzt zwei männliche Stimmen heraushören.
Erleichtert atmete ich auf, ich bin nicht zu spät.
Ich rannte zielsicher Richtung der Stimmen, um wenn nötig Dean Rückendeckung zu geben. Sicherlich würde er später dann großspurig bei einem kühlen Bier behaupten, dass er alles im Griff und er Ninja mäßig alles unter Kontrolle hatte. Und der kleine Bruder noch viel von Joda zu lernen er habe.

Suchend rannte ich um die verzweigten Ecken der Industrieanlage, der warme Dampf der aus den defekten Röhren strömte raubt mir die Luft und nahm mir die Sicht, das rote Licht der Sicherheitslampen tauchte die Szenerie in eine unwirkliche Realität. Die dumpfen Stimmen die mir die Richtung wiesen brachen abrupt ab. Wieso? Warum hörten die beiden auf zu reden?
Fetzen meiner Erinnerung aus der Zeit in der Hölle versuchten sich in meinen Kopf auszubreiten,... nein, NEIN... bitte nicht jetzt!
Renne, es konnte nicht mehr weit sein.
Noch eine Abzweigung, konzentriert rannte ich den Offen Keller Raum entgegen, von der Entfernung aus konnte ich Metatron sehen, in seiner rechten Hand glitzerte es verdächtig nach einer Engels-Schneide.
Verdammt wo ist Dean? Warum kann ich ihn nicht sehen?

Plötzlich sah ich ihn am Boden an der Wand lehnend, völlig Blutverschmiert benommen, irritiert nach seiner vor ihm liegenden Waffe greifend um Metatron abzuwehren, was aussichtslos erschien.
Mit einer Leichtigkeit näherte sich der alte Mann den Blutenden Haufen am Boden und stach lächelnd mit dem Dolch in Deans Brust.
Zu spät!
Schockiert hielt ich kurz inne, nicht begreifend welche Tragik dessen Zeuge ich wurde sich mir offenbarte.
Dean und meine Augen kreuzten sich, sein ruhig sterbender Blick zeigte nur Verwunderung und erstaunen zu mehr war er nicht mehr fähig.
NEIN! Das konnte nicht sein, nicht Dean. Nicht mein Bruder...nein...zu spät...
Ich rannte über den am Boden liegenden Schutt meinen Bruder entgegen, Metatron der Triumphierend vor Dean stand, ignorierte ich völlig, ich wollte nur zu meinen Bruder ihn festhalten, retten, was immer...zu spät..

Während des Rennens sah ich ihn völlig kraftlos fallen...angekommen konnte ich ihn noch am Arm festhalten um ihn wieder nach oben zu richten, als plötzlich der Boden anfing leicht zu beben, aus den Augenwinkel konnte ich Metatron noch erblicken und meine Verzweiflung und Erschrockenheit wandte sich in Wut um, ich musste versuchen den noch vor sich hin triumphierenden möchte gern Gott mit dem am Boden noch liegenden Engels-Schneide zu töten. Ich sprang augenblicklich hoch um ihn anzugreifen, als der ganze Raum zu Beben anfing was ihn anscheinend etwas irritierte und er Sekunden gleich vor meinen Augen ins Nichts verschwand.
Kaum verschwunden lies auch das Beben nach, eilig wandte ich mich meinen Bruder zu.
Ich musste nur die Blutung stoppen. Metatron hatte hatte für mich an Bedeutung verloren...ich musste die Blutung stoppen...

„Sammy, bitte hau ab, bevor er wieder kommt...“

Deans krächzende stimme war nur ein Schatten seiner selbst, mit mühe versuchte er meine Bemühungen ihn zu retten zu verhindern. In seiner Jacke fand ich ein Tuch was ich gegen seine Wunde presste dabei nahm ich seine Hand um ihn zu signalisieren, dass er doch mit pressen sollte. Wenn wir die Blutung stoppen könnten, dann wäre Rettung durchaus möglich.

„Halt den Mund Dean, wir müssen die Blutung stoppen, einen Arzt auf suchen und alles wird wieder in Ordnung sein,... wir finden irgend etwas vielleicht einen magischen Spruch, irgend etwas... Alles wird wieder gut... ja?... nur die Blutung muss gestoppt werden...ja? nur die Blutung...“
Verzweifelt versuchte ich die Situation in begriff zu bekommen, das Blut wollte nicht aufhören zu strömen, in meinen Kopf brach Chaos aus, ich hörte nur zu spät, zu spät...
Während ich sichtlich übernervös versuchte Dean dilettantisch zu verarzten, versuchte er mir etwas zu sagen...ich wollte es nicht hören, ich wollte einfach nicht.

„Was?“
Erwiderte ich, meine Stimme verriet meinen sichtlichen Zustand, völlig überfordert schaute ich ihn nur an, ich wollte nicht hören was er zu sagen hatte. Mich festhaltend, zwang er mich ihn ins Gesicht zu schauen...zu spät ...

„Hör mir zu! Es ist besser so wie es ist...“
Das sprechen kostete ihn seine letzten Reserven, nur mit mühe konnte ich ihn in aufrechter Position halten....Warum tat er das...
„Was?“
Ich verstand nicht, was wollte mein Bruder sagen? In meinen Kopf drehte sich alles, ich bildete mir ein ein leises kichern der Schadenfreude zu hören...Luzifer?

„Das Kain-Zeichen...es macht mich zu etwas was ich nicht sein möchte...“
Mühevoll würgte er die Worte heraus, seine Atmung wurde langsamer... dabei schaute er mir in die Augen, als ob er sicher sein wollte ob ich auch verstand was er wollte. Immer noch der große Bruder. Die verdammte Blutung wollte nicht aufhören, wenn es nur aufhören würde, dann würde alles gut werden...zu spät...

„Das Zeichen? Mach dir da keine Sorgen wir,...wir kümmern uns später darum,...ja? Komm hoch, ...komm ich helfe dir..“

Ich wusste nicht was ich sagen sollte, alles schien so banal und belanglos zu sein, was interessierte mich das Zeichen, ich musste ihn schnellst möglich ins Krankenhaus bringen, dann würde alles gut werden, wenn bloß die Blutung aufhören würde.
Während ich ihn hoch zog stöhnte Dean, mit mühe konnte ich ihn halten und nach oben ziehen, meine Knie schwankten mit der zusätzlichen Belastung. Konzentriert ihn nicht weiter weh zu tun versuchte ich ihn unterm Arm stützend Richtung Ausgang zu drängen...wir brauchten nur ein Krankenhaus, dann würde alles wieder gut werden...zu spät...

„Sag was ist aus deinen Vorsatz, mich nicht zu retten, geworden?“

Während ich ihn mehr trug als das er lief, konnte er es einfach nicht lassen, immer noch musste er mich verbal noch piesacken, vielleicht war das ein gutes Zeichen, ich meine wenn er noch Kraft hatte mir Vorhaltungen zu machen, dann ist das doch ein gutes Zeichen...oder?

„Ich hab gelogen...“

Was blöderes fiel mir als Antwort in diesem Moment nicht ein, was hätte ich sagen sollen? Das das eine nichts mit dem anderen zu tun hat...vielleicht noch eine Grundsatz Diskussion über Souveränität führen?
Mit jeden weiteren Schritt wurde er schwerer in meinen Armen, meine Beine hatten Schwierigkeiten das Gleichgewicht zu halten, ich zog Dean mehr als das er mit mir ging. Als er plötzlich innehielt. Verwirrt schaute ich ihn an, warum wollte er stehen bleiben, wir brauchten doch nur ins Krankenhaus und danach hätte er die Zeit der Welt mir jeden Scheiß zu erzählen.
Ich fand eine Erhöhung und setzte ihn vorsichtig, noch haltend hin und beugte mich zu ihn herab so das ich auf Augenhöhe mit ihm stand.

„Sammy, warte kurz, warte bitte...ich muss noch... was los werden.“

Während ich ihn fragend anschaute streichte er mehrmals sanft über mein Gesicht, als ob er mit dem letzten ertasten meines Profils die Gewissheit haben wollte, dass ich ihm auch tatsächlich zuhörte. Ich wollte nicht zuhören, jede Unterbrechung kostete Zeit, Zeit die wir nicht hatten, warum machte er das... nur ein paar schritte, dann ins Auto, Krankenhaus und alles wäre in Ordnung....Dean tu mir das nicht an! Ich verzweifelte innerlich, warum nur! Warum...

„Ich bin stolz auf uns...“

Danach sackte mein Bruder Tod in meinen Armen...zu spät...
Verzweiflung, absolut pure Verzweiflung überkam mich, Chaos vernebelte mein Gehirn, ich konnte ihn nicht loslassen, und wiegte ihn Tod wie er war in meinen Armen hin und her...hin und her...streichelte ihn, wiegte ihn...drückte ihn fest an mich...alle meine Ängste und Sorgen die ich den Abend über mit mir herumgetragen habe, brachen Flutwellen artig aus mir heraus...meinen toten Bruder krampfartig fest an meiner Brust haltend saß ich, weiß Gott wie viel stunden in dieser Bizarren Szenerie und weinte, weinte wie ich zuvor noch nie im meinen Leben geweint hatte.
Warum nur,...warum?

Immer noch meinen Bruder fest an mich klammernd...spürte ich allmählich die Kälte vom Boden herauf in meine verkrampften Beine kriechen...eine bleierne Müdigkeit überkam mich und der strenge eisenhaltige Geruch vom getrockneten Blut stieg mir langsam in die Nase, mich daran erinnernd, dass alles was geschah, alles was ich sah... real war...

Zu spät...
Mein Bruder war Tod.

To be continued...

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