-I-
Das älteste und stärkste Gefühl ist Angst, die älteste und stärkste Form der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten.
H. P. Lovecraft
Rückblende ca. 4 Monate zuvor,
nächtens auf einem Parkplatz vor einem verlassen Fabrikgelände.
Benommen nach dem
Faust schlag von Dean erwachte ich liegend auf dem feuchten Boden vor
dem Auto, allmählich wich die Taubheit im Kopf und ich versuchte
krampfhaft die Orientierung wieder zu erlangen, die Dunkelheit die
mich umgab half nicht sonderlich licht ins geschehen zu bringen aber
nach einigen Sekunden, die mir wie Stunden vorkamen realisierte ich
dass Dean ohne meine Rückendeckung einzig mit dem 'First Blade'
bewaffnet Richtung Fabrik direkt in die Höhle des Löwen zu Metatron
gegangen war.
Dieser Narr was
hatte er sich dabei gedacht...
Fluchend stand ich
auf überprüfte meine Pistole und rannte ohne zu zögern Richtung
dem verlassenen Fabrik Gelände entgegen. Mehr Bewaffnung war nicht
von Nöten, mir war bewusst, dass die Pistole gegen dem möchte gern
Gott nichts ausrichten würde, jedoch gegen seine irdischen Helfern
hätte die Pistole durchaus Überzeugung kraft.
Meine einzige Sorge
galt meinen Bruder. Ich rannte blind, voller Ängste was mich
erwarten würde Richtung dem einzigen Gelände in dieser verlassen
Gegend, hoffend nicht zu spät zu kommen.
Nicht ahnend was
mich hinter der Fabrikmauer erwarten würde, blieb ich kurz schwer
atmend stehen und blickte hoch, mir stockte der Atem bei dem Anblick
was sich mir auf dem Gelände darbot. Eine Szenerie, die aus einem
Endzeit Film hätte stammen können.
Allmählich füllten
sich meine Lungen mit Luft, ich spürte noch die Auswirkungen der
Trials, und eine leichte schwärze drohte mich zu befallen, ich
beugte mich kurz um meine Nerven etwas zu beruhigen, und atmete
langsam ein und aus. Erleichtert, dass meine Anwesenheit noch nicht
aufgefallen war schaute ich kurz um mich herum.
Der Anblick gab mir
nicht das sichere Gefühl, dass es leicht sein würde einfach zur
Eingangstür zu gelangen. Warum einfach wenn es auch kompliziert
geht.
Unmengen von
obskuren Gestalten, verhüllt mit dem obsoleten Abfall der
Gesellschaft, lungerten in einer gespannten Erwartungshaltung im Hof
herum. Brennende metallene Mülleimer sorgten für eine gespenstische
Beleuchtung im Hof und das leise Stimmengewirr der anwesenden ähnelte
den Mantragesang buddhistischer Mönche beim Gebet.
Metratron hatte
sich die Hoffnungslosesten der Gesellschaft für sein perfides Spiel
auserwählt, die die nichts zu verlieren haben sind die mit den
größten Hoffnungen, aber auch die die am eifrigsten und
bedingungslos jeder versprochenen Hoffnung hinter her lechzen.
Ich hätte genauso
gut eine Grube voller Giftschlagen betreten können. Jeder
unachtsamer Schritt käme dem Tode gleich. Vorsichtig, langsam, keine
hastigen Bewegungen verursachend versuchte ich mich durch die schiere
Menge von Metatron Anhänger zu drängen. Meine Körpergröße machte
es mir nicht einfach, daher versuchte ich mich so klein zu machen wie
es nur ging ohne meine Schritte zu behindern. Meine müden Muskeln
waren nicht begeistert von dieser Übung und so wankte ich, die
schmerzen ignorierend, zwischen der Menge.
Doch kurz vorm
erreichen des Gebäudeeinganges verließ mich mein Glück, und eine
der zerlumpten Gestalten schaute nur kurz von den hypnotisierenden
Feuer hoch und erblickte mich, unsere Augen kreuzten sich, ich
versuchte mit einer beschwichtigten Handbewegung sie davon abzuhalten
die anderen in ihrer Gruppe zu warnen.
Vergebens, ich
seufzte als sie voller Hass und Wut einer Sirene gleich, los schrie
und mit den Finger auf mich Zeigte.
Augenblicklich war
ich umzingelt von der dunklen hasserfüllten Menschenmasse.
„DA! Einer der
Verräter! Er will unseren Messias TÖTEN!
TÖTET DEN
VERRÄTER! SCHÜTZT METATRON! Tötet ihn!“
Schrie sie einer
besessenen gleich, der Hass der sich in ihrem Gesicht abzeichnete
verzerrte ihre schon durch die Jahre der Entbehrungen Menschlichen
Züge, zu einer dämonischen Fratze.
Die Masse reagierte
sofort, alle schauten auf und drehten sich zu mir um, hunderte von
funkelten Augen fokussierten mich, wartend auf eine einzige
unbedachten Bewegung meinerseits. Die Menge bewaffnet mit
handlichen umgebauten Rohren und Holzlatten schlug Stakkato artig mit
ihren primitiven Schlagwaffen auf ihre Händen und erzeugten in
rhythmischen abständen ein durch Mark und Bein klatschendes
Geräusch.
Das eklige
klatschen wurde immer lauter und schneller, der Abstand verringerte
sich von Sekunde zu Sekunde. Meine Chancen hier lebendig raus
zukommen waren gleich null,...was tun, was tun...leichte Panik
bereitete sich in mir aus, verdammt ich habe keine Zeit für solch
eine Scheiße!
Masse hin oder her,
letzten Endes war diese bedrohliche Menge nur ein Haufen Menschen,
folglich zog ich meine Pistole und schoss kurz in die Luft. Der Lärm
des Schusses erfüllte den ganzen Hof und brachte die Hass erfüllte
Masse kurz zum Stillstand. Augenblicklich nutzte ich die Situation
und richtete mich zu meiner vollen Größe auf und brüllte mit
gleich Hass erfüllter Stimme.
„METRATRON? WO
ist ER? WO IST MEIN BRUDER?!“
Meine Satzwahl lies
zu wünschen übrig aber zu mehr war ich in diesem Moment nicht
fähig, mir rannte einfach die Zeit davon.
Wie erhofft stockte
die Menge augenblicklich, wahrscheinlich eher aus Verwunderung. Mir
blieb nicht viel Zeit um anthroposophische Studien zu betreiben,
daher nahm ich meine Pistole und bedrohte jeden der mir zu nahe kam.
Verdammt Dean, in
was für eine scheiße hast du dich gebracht!
Die bleierne Stille
nach dem Schuss im Hof machte die Situation auch nicht leichter, als
plötzlich die Menge sich schweigend teilte und mir den Weg zur Tür
freimachte, ohne zurück zu blicken rannte ich Richtung der Tür.
Auf Deckung zu
achten war ein Luxus auf den ich jetzt verzichten musste, blind nicht
ahnend was mich dahinter erwarten würde riss ich in eile die schwere
Fabrik Tür auf.
Völlige Dunkelheit
empfing mich einzig durchbrochen von den rötlichen Schein der
Sicherheitslampen. Von Menschen keine Spur, langsam jede Nische im
blick rannte ich Richtung der Fabrikhalle.
Meine Gedanken
kreisten voller Panik im Kopf herum, was ist wenn ich zu spät komme,
was ist wenn die nicht mehr da sind. Noch so'n Jahr wie nach dem
Purgatory konnte ich mir nicht erlauben.
Scheiße Dean, wo
steckst du?!
Die Pistole
entsichert im Anschlag rannte ich in die Halle....LEER!
Völlige leere, die
Halle einzig mit staubigen verstreuten Resten gefüllt, eher
Industrie Müll, sicherlich wenn man genauer hinsah würden diese
Relikte von einer glanzvolleren Zeit berichten, nur jetzt leer weit
und breit kein Mensch, nicht mal Fußspuren waren ersichtlich.
Die mir vertraute
Panik schien wieder hoch zukommen, das Gelände ist riesig, wo konnte
mein Bruder sein.
Verdammt, verdammt,
verdammt! Wo sind die?
Das klopfen meines
Herze schien mir die Ohren zu zerreißen, die Lungen schmerzten und
meine Hände zitterten. Atme!
Jeder Zentimeter
meines Körpers schrie förmlich nach Luft. Atme!
Ich musste mich
zwingen zu konzentrieren, irgend ein Hinweis muss es doch geben.
Atme! Allmählich beruhigte sich mein Körper und ich hörte zwar
leise, Stimmen. Die Richtung schien aus dem Keller zu kommen.
Vorsichtig,
angespannt lauschend folgte ich den Geräuschen, mit jeden Schritt
der mich den Keller näher brachte wurden die Stimmen lauter,
deutlich konnte man jetzt zwei männliche Stimmen heraushören.
Erleichtert atmete
ich auf, ich bin nicht zu spät.
Ich rannte
zielsicher Richtung der Stimmen, um wenn nötig Dean Rückendeckung
zu geben. Sicherlich würde er später dann großspurig bei einem
kühlen Bier behaupten, dass er alles im Griff und er Ninja mäßig
alles unter Kontrolle hatte. Und der kleine Bruder noch viel von Joda
zu lernen er habe.
Suchend rannte ich
um die verzweigten Ecken der Industrieanlage, der warme Dampf der aus
den defekten Röhren strömte raubt mir die Luft und nahm mir die
Sicht, das rote Licht der Sicherheitslampen tauchte die Szenerie in
eine unwirkliche Realität. Die dumpfen Stimmen die mir die Richtung
wiesen brachen abrupt ab. Wieso? Warum hörten die beiden auf zu
reden?
Fetzen meiner
Erinnerung aus der Zeit in der Hölle versuchten sich in meinen Kopf
auszubreiten,... nein, NEIN... bitte nicht jetzt!
Renne, es konnte
nicht mehr weit sein.
Noch eine
Abzweigung, konzentriert rannte ich den Offen Keller Raum entgegen,
von der Entfernung aus konnte ich Metatron sehen, in seiner rechten
Hand glitzerte es verdächtig nach einer Engels-Schneide.
Verdammt wo ist
Dean? Warum kann ich ihn nicht sehen?
Plötzlich sah ich
ihn am Boden an der Wand lehnend, völlig Blutverschmiert benommen,
irritiert nach seiner vor ihm liegenden Waffe greifend um Metatron
abzuwehren, was aussichtslos erschien.
Mit einer
Leichtigkeit näherte sich der alte Mann den Blutenden Haufen am
Boden und stach lächelnd mit dem Dolch in Deans Brust.
Zu spät!
Schockiert hielt
ich kurz inne, nicht begreifend welche Tragik dessen Zeuge ich wurde
sich mir offenbarte.
Dean und meine
Augen kreuzten sich, sein ruhig sterbender Blick zeigte nur
Verwunderung und erstaunen zu mehr war er nicht mehr fähig.
NEIN! Das
konnte nicht sein, nicht Dean. Nicht mein Bruder...nein...zu
spät...
Ich rannte über
den am Boden liegenden Schutt meinen Bruder entgegen, Metatron der
Triumphierend vor Dean stand, ignorierte ich völlig, ich wollte nur
zu meinen Bruder ihn festhalten, retten, was immer...zu spät..
Während des
Rennens sah ich ihn völlig kraftlos fallen...angekommen konnte ich
ihn noch am Arm festhalten um ihn wieder nach oben zu richten, als
plötzlich der Boden anfing leicht zu beben, aus den Augenwinkel
konnte ich Metatron noch erblicken und meine Verzweiflung und
Erschrockenheit wandte sich in Wut um, ich musste versuchen den noch
vor sich hin triumphierenden möchte gern Gott mit dem am Boden noch
liegenden Engels-Schneide zu töten. Ich sprang augenblicklich hoch
um ihn anzugreifen, als der ganze Raum zu Beben anfing was ihn
anscheinend etwas irritierte und er Sekunden gleich vor meinen Augen
ins Nichts verschwand.
Kaum verschwunden
lies auch das Beben nach, eilig wandte ich mich meinen Bruder zu.
Ich musste nur die
Blutung stoppen. Metatron hatte hatte für mich an Bedeutung
verloren...ich musste die Blutung stoppen...
„Sammy, bitte hau
ab, bevor er wieder kommt...“
Deans krächzende
stimme war nur ein Schatten seiner selbst, mit mühe versuchte er
meine Bemühungen ihn zu retten zu verhindern. In seiner Jacke fand
ich ein Tuch was ich gegen seine Wunde presste dabei nahm ich seine
Hand um ihn zu signalisieren, dass er doch mit pressen sollte. Wenn
wir die Blutung stoppen könnten, dann wäre Rettung durchaus
möglich.
„Halt den Mund
Dean, wir müssen die Blutung stoppen, einen Arzt auf suchen und
alles wird wieder in Ordnung sein,... wir finden irgend etwas
vielleicht einen magischen Spruch, irgend etwas... Alles wird wieder
gut... ja?... nur die Blutung muss gestoppt werden...ja? nur die
Blutung...“
Verzweifelt
versuchte ich die Situation in begriff zu bekommen, das Blut wollte
nicht aufhören zu strömen, in meinen Kopf brach Chaos aus, ich
hörte nur zu spät, zu spät...
Während ich
sichtlich übernervös versuchte Dean dilettantisch zu verarzten,
versuchte er mir etwas zu sagen...ich wollte es nicht hören, ich
wollte einfach nicht.
„Was?“
Erwiderte ich,
meine Stimme verriet meinen sichtlichen Zustand, völlig überfordert
schaute ich ihn nur an, ich wollte nicht hören was er zu sagen
hatte. Mich festhaltend, zwang er mich ihn ins Gesicht zu
schauen...zu spät ...
„Hör mir zu! Es
ist besser so wie es ist...“
Das sprechen
kostete ihn seine letzten Reserven, nur mit mühe konnte ich ihn in
aufrechter Position halten....Warum tat er das...
„Was?“
Ich verstand nicht,
was wollte mein Bruder sagen? In meinen Kopf drehte sich alles, ich
bildete mir ein ein leises kichern der Schadenfreude zu
hören...Luzifer?
„Das
Kain-Zeichen...es macht mich zu etwas was ich nicht sein möchte...“
Mühevoll würgte
er die Worte heraus, seine Atmung wurde langsamer... dabei schaute er
mir in die Augen, als ob er sicher sein wollte ob ich auch verstand
was er wollte. Immer noch der große Bruder. Die verdammte Blutung
wollte nicht aufhören, wenn es nur aufhören würde, dann würde
alles gut werden...zu spät...
„Das Zeichen?
Mach dir da keine Sorgen wir,...wir kümmern uns später darum,...ja?
Komm hoch, ...komm ich helfe dir..“
Ich wusste nicht
was ich sagen sollte, alles schien so banal und belanglos zu sein,
was interessierte mich das Zeichen, ich musste ihn schnellst möglich
ins Krankenhaus bringen, dann würde alles gut werden, wenn bloß die
Blutung aufhören würde.
Während ich ihn
hoch zog stöhnte Dean, mit mühe konnte ich ihn halten und nach oben
ziehen, meine Knie schwankten mit der zusätzlichen Belastung.
Konzentriert ihn nicht weiter weh zu tun versuchte ich ihn unterm Arm
stützend Richtung Ausgang zu drängen...wir brauchten nur ein
Krankenhaus, dann würde alles wieder gut werden...zu spät...
„Sag was ist aus
deinen Vorsatz, mich nicht zu retten, geworden?“
Während ich ihn
mehr trug als das er lief, konnte er es einfach nicht lassen, immer
noch musste er mich verbal noch piesacken, vielleicht war das ein
gutes Zeichen, ich meine wenn er noch Kraft hatte mir Vorhaltungen zu
machen, dann ist das doch ein gutes Zeichen...oder?
„Ich hab
gelogen...“
Was blöderes fiel
mir als Antwort in diesem Moment nicht ein, was hätte ich sagen
sollen? Das das eine nichts mit dem anderen zu tun hat...vielleicht
noch eine Grundsatz Diskussion über Souveränität führen?
Mit jeden weiteren
Schritt wurde er schwerer in meinen Armen, meine Beine hatten
Schwierigkeiten das Gleichgewicht zu halten, ich zog Dean mehr als
das er mit mir ging. Als er plötzlich innehielt. Verwirrt schaute
ich ihn an, warum wollte er stehen bleiben, wir brauchten doch nur
ins Krankenhaus und danach hätte er die Zeit der Welt mir jeden
Scheiß zu erzählen.
Ich fand eine
Erhöhung und setzte ihn vorsichtig, noch haltend hin und beugte mich
zu ihn herab so das ich auf Augenhöhe mit ihm stand.
„Sammy, warte
kurz, warte bitte...ich muss noch... was los werden.“
Während ich ihn
fragend anschaute streichte er mehrmals sanft über mein Gesicht, als
ob er mit dem letzten ertasten meines Profils die Gewissheit haben
wollte, dass ich ihm auch tatsächlich zuhörte. Ich wollte nicht
zuhören, jede Unterbrechung kostete Zeit, Zeit die wir nicht hatten,
warum machte er das... nur ein paar schritte, dann ins Auto,
Krankenhaus und alles wäre in Ordnung....Dean tu mir das nicht
an! Ich verzweifelte innerlich, warum nur! Warum...
„Ich bin stolz
auf uns...“
Danach sackte mein
Bruder Tod in meinen Armen...zu spät...
Verzweiflung,
absolut pure Verzweiflung überkam mich, Chaos vernebelte mein
Gehirn, ich konnte ihn nicht loslassen, und wiegte ihn Tod wie er war
in meinen Armen hin und her...hin und her...streichelte ihn, wiegte
ihn...drückte ihn fest an mich...alle meine Ängste und Sorgen die
ich den Abend über mit mir herumgetragen habe, brachen Flutwellen
artig aus mir heraus...meinen toten Bruder krampfartig fest an meiner
Brust haltend saß ich, weiß Gott wie viel stunden in dieser
Bizarren Szenerie und weinte, weinte wie ich zuvor noch nie im meinen
Leben geweint hatte.
Warum nur,...warum?
Immer noch meinen
Bruder fest an mich klammernd...spürte ich allmählich die Kälte
vom Boden herauf in meine verkrampften Beine kriechen...eine bleierne
Müdigkeit überkam mich und der strenge eisenhaltige Geruch vom
getrockneten Blut stieg mir langsam in die Nase, mich daran
erinnernd, dass alles was geschah, alles was ich sah... real war...
Zu spät...
Mein Bruder war
Tod.
To be continued...
To be continued...
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