-II-
Ich war weit von zu Hause weg, und das Ostmeer zog mich in seinen Bann.
H.P. Lovecraft
Vorsichtig legte
ich Deans Kopf nieder und versuchte mich aus meiner verkrampften
Stellung zu bewegen, langsam erhob ich mich, meine Glieder schrien
vor schmerzen, die Muskeln gehorchten mir nicht, mein Kopf drohte zu
explodieren, Gedanken rasten wirr im Kopf herum, schwankend versuchte
ich mein Gleichgewicht wieder zu erlagen, ungefähr beim dritten mal
schaffte ich es einigermaßen zu stehen, ohne gleich in die Knie zu
sacken.
Ich schaute ruhig
auf Dean herunter, eile hatte keine Bedeutung mehr...innerlich
gesammelt legte ich ihn mir sanft in meine arme, sein schlaffer
Körper wiegte kaum. Langsam aufrecht ging ich mit meinen toten
Bruder Richtung Ausgang. Die Umgebung verschwamm vor meinen Augen,
die Zeit verlor an Bedeutung, vielleicht wenn ich nur langsam und
sachte lief, vielleicht würde Dean erwachen...und alles wäre wie in
einer meiner vielen Alpträume...nichts außergewöhnliches, ich
bräuchte nur auf zu wachen...
Trotz meiner
Bemühungen, änderte sich nichts...die Umgebung blieb gleich, und
Dean hing immer noch regungslos in meinen Armen. Irgendwann draußen
angelangt, stand die zerlumpte Menge immer noch versammelt murmelnd
im Hof. Mit meiner vertrauten Last im Arm blieb ich stehen, was hätte
ich tun sollen? Ich war so verdammt müde, ich wollte einfach nur
weiter gehen... als ob die Menge meine Gedanken lesen konnte machten
sie kaum bemerkbar langsam platz, leise konnte ich aus der Meute
Beileidsbekundungen hören, einige nahmen aus Respekt vor den Toten
ihre Kopfbedeckungen herunter....der Tod scheint mehr Achtung zu
erhalten als das Leben per se. Ein anderer dessen Tod erinnert uns
wie wertvoll das Leben, egal wie beschwerlich es ist, sein kann.
Leise nickend
bedankte ich mich und lief gemessen weiter Richtung Dunkelheit.
Nach einer weile
gelangte ich an sein geliebten Impala, vorsichtig Dean noch in meinen
Armen haltend, öffnete ich die Beifahrer Tür und legte ihn mit
bedacht, sanft auf den Sitz. Kurz nach hinten gehend holte ich seine
Schrauberdecke, der vertraute Geruch von Motoröl war leicht zu
riechen. Ich wickelte ihn damit ein, nahm meine Jacke und legte diese
sanft unter Deans Kopf. Leise schloss ich die Tür und begab mich
dann zur Fahrerseite. Blickte kurz um und betrachte seine mir
vertraute Silhouette, es sah aus als ob er nur schliefe, die
Gesichtszüge sahen entspannt aus, einzig das viele sichtbare Blut,
deutete auf die voran gegangene Tragik.
Mich am Auto
festhaltend, schob ich mich zur Tür, setzte mich rein und hielt das
Lenkrad fest. Es fühlte sich verkehrt an, keine Vertrautheit,
langsam fühlte ich wie leise die Tränen langsam runter liefen, ich
war dagegen machtlos, jeder meiner Gedanken drehte sich nur um den
Augenblick bei dem Metratron Dean niederstach. Mit diesem Echo der
Ereignisse in meinem Kopf fuhr ich Richtung Bunker, den Ort den Dean
sein zu Hause nannte.
Das fahren
verrichtete ich automatisch, zum Tanken hielt ich an schlecht
beleuchteten Tankstellen und beeilte mich, ihn nicht zu lange im Auto
alleine liegen zu lassen, oder vielleicht weil ich nicht zu lange von
ihm getrennt sein wollte. Keine Ahnung, meine Gedanken wollten sich
nicht Ordnen. Seit Luzifer und Gadreel vermeine ich eh den Bezug zur
Realität verloren zuhaben. Dean war zwar für mein seelisches
Gleichgewicht nie eine sonderlich große Stütze, aber das war auch
nie der springende Punkt unserer brüderlichen Beziehung gewesen,
wichtig war doch nur, das er da war, nur da...
Ohne weitere
nennenswerte Zwischenfälle gelangten wir an den Bunker. Leise
surrend rollte ich den Impala in seinen vorgesehen Platz und machte
den Motor aus. Stille bereitete sich im Raum aus, einzig war das kaum
vernehmbare elektrische rauschen der alten Neolampen zu hören. Was
nun? Während der fahrt machte ich mir keine weiteren Gedanken über
das Ankommen, nur die Fahrt an sich war augenblicklich von
Bedeutung...was tun? Das Unvermeidlich stand mir bevor, das wovor ich
mich am meisten fürchtete, das was ich verdrängen wollte, das was
mich in die Realität katapultieren würde, das was mir zeigen wird,
das alles real ist und nicht geträumt...das herrichten der Leiche.
Schwer seufzend
stieg ich aus dem Auto, alles in mir schmerzte, mein Körper wollte
endlich zur Ruhe kommen und mein Geist wollte endlich ins dunkle
einzig um zu vergessen...ahh, das wäre schön, keine Ursachen keine
Konsequenzen einfach nur Stille das absolute Nichts. Aber jetzt ist
nicht der Moment dafür...vielleicht ein anderes mal...aber jetzt
nicht...nicht jetzt.
Die schmerzend
ignorierend hob ich Dean aus den Sitz heraus und brachte ihn in sein
Zimmer und legte ihn sanft und sicher auf sein Bett. Er sah so
entspannt aus, als ob er sich nur ausruhen würde, wenn da nicht das
Blut und die Exkremente wären..der Tod ist nicht schön.
Mit schweren
schritten ging ich in die Küche und holte eine Schüssel und in
seinem Zimmer meinte ich am Waschbecken Seife einen Lappen und
Handtücher gesehen zu haben. In ruhe einer Zeremonie ähnelnd nahm
ich die gesammelten Utensilien legte diese auf sein Nachttisch und
begab mich meinen toten Bruder von den getrockneten Blut und
entleerten Darmprodukten die sich an seiner Kleidung befanden zu
befreien.
Während ich den
Toten säuberte und neu ankleidete, schien die Zeit an Bedeutung
verloren zu haben, keine Ahnung ob ich mich in der Gegenwart oder der
Vergangenheit befand, alle Gedanken schienen sich chaotisch zwischen
den Dimensionen zu bewegen. In einem Augenblick erinnerte ich mich an
Deans 18 Geburtstag wie er wie ein Honigkuchenpferd strahlend über
beide Ohren ins Motel rannte und mir Stundenlang die Autoschlüssel
vom Impala vors Gesicht wedelte oder erst gestern sein Monolog über
die gravierende Unterschiede zwischen Kuchen und Pie's und seiner
Meinung nach man den Pie mit nichts vergleichen könne und in der
nächsten Sekunde sehe ich nur wie die Engels-Schneide langsam,
geschmeidig mit Leichtigkeit ohne widerstand durch Deans Brust
schneidet und sein Blut unaufhörlich aus der Wunde zu strömen
beginnt.
Fertig mit allen
Erledigungen die man einen frischen Toten gewähren konnte, ging ich
in die dunkle Haupthalle des Bunkers.
Ich hatte nicht das
Bedürfnis Licht anzumachen, die Dunkelheit entsprach meinen jetzigen
Zustand, das dumpfe Gefühl von Leere. Der Sturm in meinem Schädel
musste erst zur Ruhe kommen, die unsichtbaren mahnenden Stimmen zum
Schweigen gebracht werden.
Alkohol mein
letzter und einziger Verbündeter im Leben stand mir wieder treu zur
Seite,...denn alle anderen sind Tod.
Alkohol ein treuer
Kamerad, er gibt dir eine vertraut gefühlte Wärme wo sonst Kälte
übernehmen würde, er ist unvoreingenommen tadelt nicht und er lässt
dich alles vergessen. Wirklich ein wahrer Freund.
In diesen
Augenblick meine Sinne zu betäuben schien mir das einzig logische,
um klar zu denken muss ich alles erlebte begraben, tief versenken im
tiefen Abyss des Seins.
Mit jeden Schluck
des golden 'Wasser des Lebens' spürte ich, wie der tosende Sturm im
Kopf sich langsam in eine warme Brise wandelte, alles was in Bewegung
war kam behutsam zur ruhe...die Tragik konnte jetzt vorsichtig
analysiert, seziert, Stück für Stück unter das Mikroskop gelegt
werden und jedes vergangene Geschehen einzeln für sich betrachtet
nach Ursache und Wirkung erforscht werden.
Die Wissenschaft
folgt der reinen Vernunft und Logik, und setzt diese in Gesetzte um,
Gesetzte die das Leben ein Fundament geben, eine Basis um das Sein
halt zu geben im tosenden Unvernunft der Emotionen.
Mit jeden Schluck
meines treuen Freundes Whisky kam ich der Lösung näher, es fing
immer mit Crowley an und endete stets bei ihm.
Ein Verkäufer der
Sehnsüchte, der den Hoffnungslosen eine Hoffnung bietet und wenn
diese auch nur von kurzer Dauer sei, er ist stets zur Stelle,
hilfsbereit mit offen Ohr und heuchlerischem Verständnis. Ein
Meister seines Faches der Illusionen.
Genau der richtige
für Dean. Und wie ich meinen Bruder kenne nahm er sicherlich in
seiner unnachahmlich ungestümen Art, eingelullt von Crowley die
Angebotene heilbringende Lösung. Dargereicht auf einen Silbertablett
vom Primus der Dämonen Cain höchst persönlich.
Was konnte da
schief gehen...Dean du Narr was hast du nur getan?
Crowley Ich weiß
was du getan hast, und sei dir Bewusst, ich werde dich zur
Rechenschaft ziehen, so wahr mir Gott helfe!
To be continued....
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