Mittwoch, 26. November 2014

Auch Könige Fallen... -Kapitel II -

 

-II-
 

Ich war weit von zu Hause weg, und das Ostmeer zog mich in seinen Bann.

H.P. Lovecraft

Vorsichtig legte ich Deans Kopf nieder und versuchte mich aus meiner verkrampften Stellung zu bewegen, langsam erhob ich mich, meine Glieder schrien vor schmerzen, die Muskeln gehorchten mir nicht, mein Kopf drohte zu explodieren, Gedanken rasten wirr im Kopf herum, schwankend versuchte ich mein Gleichgewicht wieder zu erlagen, ungefähr beim dritten mal schaffte ich es einigermaßen zu stehen, ohne gleich in die Knie zu sacken.

Ich schaute ruhig auf Dean herunter, eile hatte keine Bedeutung mehr...innerlich gesammelt legte ich ihn mir sanft in meine arme, sein schlaffer Körper wiegte kaum. Langsam aufrecht ging ich mit meinen toten Bruder Richtung Ausgang. Die Umgebung verschwamm vor meinen Augen, die Zeit verlor an Bedeutung, vielleicht wenn ich nur langsam und sachte lief, vielleicht würde Dean erwachen...und alles wäre wie in einer meiner vielen Alpträume...nichts außergewöhnliches, ich bräuchte nur auf zu wachen...

Trotz meiner Bemühungen, änderte sich nichts...die Umgebung blieb gleich, und Dean hing immer noch regungslos in meinen Armen. Irgendwann draußen angelangt, stand die zerlumpte Menge immer noch versammelt murmelnd im Hof. Mit meiner vertrauten Last im Arm blieb ich stehen, was hätte ich tun sollen? Ich war so verdammt müde, ich wollte einfach nur weiter gehen... als ob die Menge meine Gedanken lesen konnte machten sie kaum bemerkbar langsam platz, leise konnte ich aus der Meute Beileidsbekundungen hören, einige nahmen aus Respekt vor den Toten ihre Kopfbedeckungen herunter....der Tod scheint mehr Achtung zu erhalten als das Leben per se. Ein anderer dessen Tod erinnert uns wie wertvoll das Leben, egal wie beschwerlich es ist, sein kann.
Leise nickend bedankte ich mich und lief gemessen weiter Richtung Dunkelheit.

Nach einer weile gelangte ich an sein geliebten Impala, vorsichtig Dean noch in meinen Armen haltend, öffnete ich die Beifahrer Tür und legte ihn mit bedacht, sanft auf den Sitz. Kurz nach hinten gehend holte ich seine Schrauberdecke, der vertraute Geruch von Motoröl war leicht zu riechen. Ich wickelte ihn damit ein, nahm meine Jacke und legte diese sanft unter Deans Kopf. Leise schloss ich die Tür und begab mich dann zur Fahrerseite. Blickte kurz um und betrachte seine mir vertraute Silhouette, es sah aus als ob er nur schliefe, die Gesichtszüge sahen entspannt aus, einzig das viele sichtbare Blut, deutete auf die voran gegangene Tragik.

Mich am Auto festhaltend, schob ich mich zur Tür, setzte mich rein und hielt das Lenkrad fest. Es fühlte sich verkehrt an, keine Vertrautheit, langsam fühlte ich wie leise die Tränen langsam runter liefen, ich war dagegen machtlos, jeder meiner Gedanken drehte sich nur um den Augenblick bei dem Metratron Dean niederstach. Mit diesem Echo der Ereignisse in meinem Kopf fuhr ich Richtung Bunker, den Ort den Dean sein zu Hause nannte.

Das fahren verrichtete ich automatisch, zum Tanken hielt ich an schlecht beleuchteten Tankstellen und beeilte mich, ihn nicht zu lange im Auto alleine liegen zu lassen, oder vielleicht weil ich nicht zu lange von ihm getrennt sein wollte. Keine Ahnung, meine Gedanken wollten sich nicht Ordnen. Seit Luzifer und Gadreel vermeine ich eh den Bezug zur Realität verloren zuhaben. Dean war zwar für mein seelisches Gleichgewicht nie eine sonderlich große Stütze, aber das war auch nie der springende Punkt unserer brüderlichen Beziehung gewesen, wichtig war doch nur, das er da war, nur da...

Ohne weitere nennenswerte Zwischenfälle gelangten wir an den Bunker. Leise surrend rollte ich den Impala in seinen vorgesehen Platz und machte den Motor aus. Stille bereitete sich im Raum aus, einzig war das kaum vernehmbare elektrische rauschen der alten Neolampen zu hören. Was nun? Während der fahrt machte ich mir keine weiteren Gedanken über das Ankommen, nur die Fahrt an sich war augenblicklich von Bedeutung...was tun? Das Unvermeidlich stand mir bevor, das wovor ich mich am meisten fürchtete, das was ich verdrängen wollte, das was mich in die Realität katapultieren würde, das was mir zeigen wird, das alles real ist und nicht geträumt...das herrichten der Leiche.
Schwer seufzend stieg ich aus dem Auto, alles in mir schmerzte, mein Körper wollte endlich zur Ruhe kommen und mein Geist wollte endlich ins dunkle einzig um zu vergessen...ahh, das wäre schön, keine Ursachen keine Konsequenzen einfach nur Stille das absolute Nichts. Aber jetzt ist nicht der Moment dafür...vielleicht ein anderes mal...aber jetzt nicht...nicht jetzt.
Die schmerzend ignorierend hob ich Dean aus den Sitz heraus und brachte ihn in sein Zimmer und legte ihn sanft und sicher auf sein Bett. Er sah so entspannt aus, als ob er sich nur ausruhen würde, wenn da nicht das Blut und die Exkremente wären..der Tod ist nicht schön.
Mit schweren schritten ging ich in die Küche und holte eine Schüssel und in seinem Zimmer meinte ich am Waschbecken Seife einen Lappen und Handtücher gesehen zu haben. In ruhe einer Zeremonie ähnelnd nahm ich die gesammelten Utensilien legte diese auf sein Nachttisch und begab mich meinen toten Bruder von den getrockneten Blut und entleerten Darmprodukten die sich an seiner Kleidung befanden zu befreien.
Während ich den Toten säuberte und neu ankleidete, schien die Zeit an Bedeutung verloren zu haben, keine Ahnung ob ich mich in der Gegenwart oder der Vergangenheit befand, alle Gedanken schienen sich chaotisch zwischen den Dimensionen zu bewegen. In einem Augenblick erinnerte ich mich an Deans 18 Geburtstag wie er wie ein Honigkuchenpferd strahlend über beide Ohren ins Motel rannte und mir Stundenlang die Autoschlüssel vom Impala vors Gesicht wedelte oder erst gestern sein Monolog über die gravierende Unterschiede zwischen Kuchen und Pie's und seiner Meinung nach man den Pie mit nichts vergleichen könne und in der nächsten Sekunde sehe ich nur wie die Engels-Schneide langsam, geschmeidig mit Leichtigkeit ohne widerstand durch Deans Brust schneidet und sein Blut unaufhörlich aus der Wunde zu strömen beginnt.

Fertig mit allen Erledigungen die man einen frischen Toten gewähren konnte, ging ich in die dunkle Haupthalle des Bunkers.
Ich hatte nicht das Bedürfnis Licht anzumachen, die Dunkelheit entsprach meinen jetzigen Zustand, das dumpfe Gefühl von Leere. Der Sturm in meinem Schädel musste erst zur Ruhe kommen, die unsichtbaren mahnenden Stimmen zum Schweigen gebracht werden.
Alkohol mein letzter und einziger Verbündeter im Leben stand mir wieder treu zur Seite,...denn alle anderen sind Tod.
Alkohol ein treuer Kamerad, er gibt dir eine vertraut gefühlte Wärme wo sonst Kälte übernehmen würde, er ist unvoreingenommen tadelt nicht und er lässt dich alles vergessen. Wirklich ein wahrer Freund.
In diesen Augenblick meine Sinne zu betäuben schien mir das einzig logische, um klar zu denken muss ich alles erlebte begraben, tief versenken im tiefen Abyss des Seins.

Mit jeden Schluck des golden 'Wasser des Lebens' spürte ich, wie der tosende Sturm im Kopf sich langsam in eine warme Brise wandelte, alles was in Bewegung war kam behutsam zur ruhe...die Tragik konnte jetzt vorsichtig analysiert, seziert, Stück für Stück unter das Mikroskop gelegt werden und jedes vergangene Geschehen einzeln für sich betrachtet nach Ursache und Wirkung erforscht werden.
Die Wissenschaft folgt der reinen Vernunft und Logik, und setzt diese in Gesetzte um, Gesetzte die das Leben ein Fundament geben, eine Basis um das Sein halt zu geben im tosenden Unvernunft der Emotionen.
Mit jeden Schluck meines treuen Freundes Whisky kam ich der Lösung näher, es fing immer mit Crowley an und endete stets bei ihm.
Ein Verkäufer der Sehnsüchte, der den Hoffnungslosen eine Hoffnung bietet und wenn diese auch nur von kurzer Dauer sei, er ist stets zur Stelle, hilfsbereit mit offen Ohr und heuchlerischem Verständnis. Ein Meister seines Faches der Illusionen.
Genau der richtige für Dean. Und wie ich meinen Bruder kenne nahm er sicherlich in seiner unnachahmlich ungestümen Art, eingelullt von Crowley die Angebotene heilbringende Lösung. Dargereicht auf einen Silbertablett vom Primus der Dämonen Cain höchst persönlich.
Was konnte da schief gehen...Dean du Narr was hast du nur getan?

Crowley Ich weiß was du getan hast, und sei dir Bewusst, ich werde dich zur Rechenschaft ziehen, so wahr mir Gott helfe

To be continued....

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